Vermögensaufbau

Altersvorsorgedepot für Erzieher: Was der Riester-Nachfolger ab 2027 für dich bedeutet

Aktualisiert am 01.07.20266 Min. Lesezeit

Der Bundestag hat am 27. März 2026 die größte Reform der privaten Altersvorsorge seit 20 Jahren beschlossen, der Bundesrat hat am 08. Mai 2026 final zugestimmt. Ab dem 1. Januar 2027 kannst du staatlich gefördert in ETFs investieren — ohne Versicherungsmantel, ohne Garantiepflicht, mit gedeckelten Kosten. Wir erklären, was das Altersvorsorgedepot ist, wie viel Förderung du bekommst und was du jetzt tun solltest.

Kevin Klimper – Gründer & Berater bei ErzieherFinanzen
Autor
Kevin Klimper
Gründer & FinanzberaterGeprüft am 01.07.2026

Auf den Punkt

Ab 01.01.2027 löst das Altersvorsorgedepot Riester ab. Förderung: 540 € Grundzulage (50 % auf die ersten 360 € Eigenbeitrag + 25 % auf weitere 1.440 €) plus 300 € pro Kind. Für Erzieherinnen mit 2 Kindern: bis zu 1.140 €/Jahr Zulagen bei 1.800 € Eigenbeitrag (150 €/Monat). Bestehende Riester-Verträge: Bestandsschutz, Umstellung freiwillig.

Was ist das Altersvorsorgedepot?

Der Bundestag hat am 27. März 2026 die Reform der privaten Altersvorsorge beschlossen, der Bundesrat hat am 08. Mai 2026 zugestimmt. Ab dem 1. Januar 2027 gibt es ein völlig neues Produkt: das Altersvorsorgedepot. Zum ersten Mal kannst du staatlich gefördert direkt in ETFs und Fonds investieren — ohne teuren Versicherungsmantel, ohne Garantiepflicht, mit gedeckelten Kosten. Details siehe FAQ des Bundesfinanzministeriums.

Für Erzieherinnen ist das besonders relevant: Viele haben einen alten Riester-Vertrag mit hohen Kosten und niedriger Rendite. Das Altersvorsorgedepot bietet deutlich bessere Konditionen — höhere Zulagen, mehr Rendite, weniger Kosten. Die BaFin wird eine digitale Vergleichsplattform für zugelassene Produkte bereitstellen — ein Starttermin steht noch nicht fest.

  • Staatlich gefördert

    Bis zu 540 € Grundzulage pro Jahr + 300 € pro Kind. Deutlich mehr als die alte Riester-Grundzulage von 175 €.

  • ETF-basiert

    Zugelassen sind ETFs, Investmentfonds und Anleihen (Risikoklassen 1–5). Keine Beitragsgarantie — dafür volle Renditechancen.

  • Kosten gedeckelt

    Maximal 1 % Effektivkosten beim Standarddepot. Schluss mit versteckten Gebühren wie bei vielen Riester-Versicherungen.

  • Selbstständige erstmals förderberechtigt

    Nicht nur Angestellte, auch Selbstständige können ab 2027 die Zulagen nutzen.

Die Förderung im Detail — was bekommst du?

Die Zulagen sind beitragsproportional gestaffelt. Je mehr du einzahlst, desto mehr legt der Staat drauf — bis zu einem Maximum bei 1.800 € Eigenbeitrag pro Jahr (= 150 €/Monat). Diese Logik gilt einheitlich ab dem 01.01.2027, keine Stufung mehr nach Jahren.

MerkmalAb 01.01.2027
Förderlogik50 % auf die ersten 360 € Eigenbeitrag + 25 % auf weitere 1.440 €
Max. Grundzulage540 €/Jahr
Kinderzulage300 €/Jahr pro Kind
Maximaler Eigenbeitrag für volle Zulage1.800 € (= 150 €/Monat)
Bestandsschutz RiesterJa, alle vor 01.01.2027 abgeschlossenen Verträge

Quelle: Bundesfinanzministerium FAQ "Reform der privaten Altersvorsorge", Bundesrat-Drucksache vom 08.05.2026, Bundestag-Beschluss vom 27.03.2026.

📊 Rechenbeispiel: Erzieherin, 30 Jahre, TVöD S8a, 1 Kind, zahlt 150 €/Monat (1.800 €/Jahr) ein

Eigenbeitrag1.800 €/Jahr
Grundzulage (50 % auf 360 € + 25 % auf 1.440 €)540 €
Kinderzulage (1 Kind)300 €
Gesamt im Depot2.640 €/Jahr
Davon vom Staat840 €
Förderquote~47 %

Du zahlst 150 € im Monat, der Staat legt 840 € im Jahr drauf. Und das Geld wird in ETFs investiert, statt in teuren Garantieprodukten zu versauern.

Du gehörst nicht in S 8a? Du kannst Brutto für deine Stufe ermitteln und auf dieser Basis den Eigenbeitrag plus Zulagen für dich durchrechnen.

Wie viel Geld steht dir zu?

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Altersvorsorgedepot vs. Riester vs. ETF-Sparplan

KriteriumAltersvorsorgedepotRiester (alt)ETF-Sparplan (ungefördert)
FörderungBis 540 € + 300 €/Kind175 € + 300 €/KindKeine
GarantieKeine100 % BeitragsgarantieKeine
KostenMax. 1 % gedeckeltOft 1,5–2,5 %0,10–0,20 %
Renditeerwartung5–7 % (ETF ohne Garantie)2–4 % (durch Garantie gedrückt)6–8 %
FlexibilitätEntnahme möglich (förderschädlich)Sehr geringMaximal
AuszahlungAb 65–70, Auszahlplan bis 85Ab 62, als RenteJederzeit
Besteuerung AuszahlungVoll nachgelagert (persönl. Steuersatz)Voll nachgelagert26,375 % Abgeltungssteuer
Für wen idealErzieher mit/ohne KinderNur mit Kindern attraktivFlexible Basis für alle

Das Altersvorsorgedepot kombiniert das Beste aus beiden Welten: Staatliche Förderung wie Riester, aber mit ETF-Rendite und gedeckelten Kosten. Für die meisten Erzieherinnen wird es ab 2027 die attraktivste Option für die private Altersvorsorge.

Einen ausführlichen Vergleich aller drei Wege findest du in unserem Ratgeber Riester, Rürup oder ETF.

Ich habe schon einen Riester-Vertrag — was tun?

Wenn du bereits einen Riester-Vertrag hast, stehst du ab 2027 vor der Frage: Behalten oder wechseln? Hier sind deine drei Optionen:

  1. Riester weiterführen

    Dein bestehender Vertrag hat Bestandsschutz. Alle bisherigen Zulagen und Steuervorteile bleiben erhalten. Sinnvoll, wenn du einen günstigen Riester-Fondssparplan mit niedrigen Kosten hast.

  2. Riester beitragsfrei stellen

    Du zahlst nichts mehr ein, das Guthaben bleibt stehen. Neue Beiträge gehen ins Altersvorsorgedepot. Sinnvoll, wenn der alte Vertrag mittelmäßig ist und du nicht kündigen willst.

  3. Guthaben ins Altersvorsorgedepot übertragen

    Steuerneutral, alle bisherigen Zulagen wandern mit. Keine Kündigung, sondern eine Fortführung unter besseren Bedingungen. Nach 5 Jahren muss dein bisheriger Anbieter den Wechsel kostenfrei ermöglichen; der neue Anbieter darf höchstens 150 € Verwaltungspauschale berechnen.

Unsere Empfehlung: Bei teuren Riester-Versicherungsprodukten (Kosten über 1,5 % pro Jahr) lohnt sich der Wechsel fast immer. Bei günstigen Riester-Fondssparplänen solltest du individuell abwägen — wir helfen dir dabei.

Wir prüfen deinen bestehenden Riester-Vertrag kostenlos und zeigen dir, ob ein Wechsel ins Altersvorsorgedepot sich für dich lohnt.

Erstgespräch buchen

So bereitest du dich jetzt vor (noch vor Januar 2027)

  1. Bestehende Altersvorsorge prüfen

    Hast du Riester, bAV, ETF-Sparplan? Was davon bleibt, was könnte ins Altersvorsorgedepot wechseln? Einen Überblick aller Förderungen findest du in unserem Förderungen-Ratgeber.

  2. Riester-Vertrag analysieren lassen

    Kosten, Zulagen, Rendite. Wir vergleichen transparent, ob ein Wechsel ins Altersvorsorgedepot sich für dich lohnt — kostenlos und ungebunden.

  3. Sparrate planen

    Mindestens 150 €/Monat (= 1.800 €/Jahr) für die volle Grundzulage von 540 €. Für die Kinderzulage reichen 25 €/Monat pro Kind.

  4. Falls noch keine Altersvorsorge: Jetzt mit einem ETF-Sparplan starten

    Ab 2027 ins Altersvorsorgedepot umziehen oder ergänzen. Wie du einen ETF-Sparplan einrichtest, erklären wir in unserem ETF-Ratgeber.

  5. Erstgespräch buchen

    Wir begleiten dich durch die Umstellung und finden die beste Kombination für deine Situation.

Worauf du achten musst — die Fallen

Falle 1: Förderschädliche Entnahme

Wenn du vor 65 Geld rausnimmst, musst du alle Zulagen zurückzahlen. Das Altersvorsorgedepot ist für die Rente gedacht — nicht als Notgroschen.

Falle 2: Kein Einmalbetrag bei Auszahlung

In der Auszahlphase (ab 65–70) wird das Guthaben über einen Auszahlplan bis mindestens zum 85. Geburtstag verteilt. Du bekommst nicht alles auf einmal.

Falle 3: Besteuerung beachten

Auszahlungen aus gefördertem Guthaben werden voll nachgelagert mit deinem persönlichen Steuersatz versteuert (§ 22 Nr. 5 EStG) — nicht mit der Abgeltungssteuer (26,375 %). Da der Steuersatz im Alter meist niedriger ist als im Erwerbsleben, kann das trotzdem vorteilhaft sein.

Falle 4: Keine Garantie

Anders als bei Riester gibt es keine Beitragsgarantie. Bei einem Börsencrash kurz vor der Rente kann dein Depotwert sinken. Plane rechtzeitig eine Umschichtung in risikoärmere Anlagen.

Falle 5: Anbieterwahl

Nicht jeder Anbieter wird gleiche Kosten und ETF-Auswahl haben. Ein ungebundener Vergleich über einen Makler lohnt sich — genau wie bei der BU-Versicherung.

Fazit: Der Gamechanger für die Altersvorsorge

Das Altersvorsorgedepot ist das, worauf viele Erzieherinnen seit Jahren gewartet haben: Staatliche Förderung, die sich wirklich lohnt — kombiniert mit der Rendite von ETFs und gedeckelten Kosten. Anders als bei Riester frisst keine Beitragsgarantie die Rendite auf, und anders als beim ungeförderten ETF-Sparplan legt der Staat bis zu 540 € pro Jahr obendrauf.

  • Bis zu 540 € Grundzulage + 300 € pro Kind — deutlich attraktiver als die alte Riester-Förderung
  • Wer schon Riester hat: Prüfe jetzt, ob ein Wechsel sich lohnt — Übertragung ist steuerneutral und alle Zulagen bleiben erhalten
  • Wer noch nichts hat: Starte jetzt mit einem ETF-Sparplan und steige ab 2027 ins Altersvorsorgedepot um

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