Lebensphasen

    Elternzeit als Erzieherin: Finanz-Checkliste für vor, während und nach der Pause

    Aktualisiert: März 2026Zuletzt aktualisiert: 10.06.20267 Min. Lesezeit

    Elternzeit ist wunderschön – und finanziell herausfordernd. Plötzlich fällt ein großer Teil deines Einkommens weg, gleichzeitig kommen neue Ausgaben dazu. Mit dieser Checkliste bist du auf alles vorbereitet: Was du VOR der Elternzeit erledigen solltest, wie du WÄHREND der Pause finanziell über die Runden kommst und was du DANACH auf keinen Fall vergessen darfst.

    Kevin Klimper – Gründer & Finanzberater
    Autor
    Kevin Klimper
    Gründer & FinanzberaterGeprüft am 10.06.2026

    Wie viel Geld bekomme ich in der Elternzeit?

    Bevor wir in die Checkliste einsteigen, der wichtigste Überblick – denn die Frage „Kann ich mir die Elternzeit leisten?“ hängt direkt davon ab, was du bekommst:

    Basiselterngeld

    • 65–67% deines Nettoeinkommens
    • Minimum 300 €, Maximum 1.800 €/Monat
    • Bis zu 12 Monate (+ 2 Partnermonate)

    Ideal wenn: Du komplett pausierst

    ElterngeldPlus

    • Halb so hoch, doppelt so lang
    • 150–900 €/Monat, bis zu 28 Monate
    • Kombinierbar mit Teilzeit (max. 32h/Woche)

    Ideal wenn: Du früh in Teilzeit zurückkehrst

    Partnerschaftsbonus

    • Zusätzlich 2–4 Monate ElterngeldPlus
    • Beide arbeiten 24–32h/Woche Teilzeit
    • 150–900 €/Monat extra

    Ideal wenn: Ihr euch die Betreuung teilt

    Rechenbeispiel: Erzieherin, TVöD S8a Stufe 3, ca. 3.500 € brutto / 2.300 € netto

    VarianteMonatlichDauerGesamt
    Basiselterngeld (65%)ca. 1.495 €12 Monateca. 17.940 €
    ElterngeldPlus (ohne Teilzeit)ca. 748 €24 Monateca. 17.940 €
    ElterngeldPlus + Teilzeit (20h)ca. 748 € + ~1.100 € Teilzeit24 Monateca. 44.350 €

    → Teilzeit + ElterngeldPlus bringt deutlich mehr Familieneinkommen. Die Gesamtsumme bei Basis und Plus (ohne Teilzeit) ist gleich.

    Eigene Werte? Du kannst dein Brutto für deine Stufe live durchrechnen — die Basis für die 65-67 %-Elterngeld-Formel.

    Wichtig für 2026: Seit April 2024 dürfen beide Eltern nur noch EINEN Monat lang gleichzeitig Basiselterngeld beziehen (Ausnahmen: Frühgeburten, Mehrlinge, Kinder mit Behinderung). Die Einkommensgrenze liegt bei 175.000 € zu versteuerndem Jahreseinkommen – für Erzieherinnen in der Regel kein Thema.

    Wie viel Geld steht dir zu?

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    Phase 1: VOR der Elternzeit – die wichtigsten To-dos

    Phase 1

    VOR der Elternzeit

    Bevor es losgeht, solltest du wissen, welche Förderungen dir als Erzieher:in generell zustehen – ungebunden von der Elternzeit. Einen Überblick findest du in unserem Ratgeber zu allen Förderungen und Zuschüssen, die dir als Erzieher:in zustehen.

    6–9 Monate vor dem Geburtstermin:

    • Steuerklasse prüfen und ggf. wechseln – Das Elterngeld berechnet sich nach deinem Netto der letzten 12 Monate. Wenn du in Steuerklasse 5 bist, wechsle rechtzeitig auf Klasse 3 oder 4. Der Wechsel muss mindestens 7 Monate vor Beginn des Mutterschutzes erfolgen.
    • Finanzpuffer aufbauen (Notgroschen aufstocken) – Faustregel: 3 Monatsgehälter netto auf dem Tagesgeldkonto. Bei 2.300 € netto also ca. 6.900 €.
    • Fixkosten durchgehen und optimieren – Strom, Gas, Versicherungen, Handy, Streaming-Abos. Oft lassen sich 50–100 €/Monat einsparen = 600–1.200 € über 12 Monate Elternzeit.
    • Arbeitgeber über Schwangerschaft informieren – Mutterschutz beginnt 6 Wochen vor Geburtstermin. Elternzeit muss 7 Wochen vorher schriftlich angemeldet werden.

    3–6 Monate vorher:

    • Elterngeld-Variante planen – Basis, Plus oder Kombi? Nutze den offiziellen Elterngeldrechner auf familienportal.de. Denke auch an den Partnerschaftsbonus (4 Extra-Monate, wenn beide in Teilzeit).
    • Krankenversicherung klären – Während des Elterngeldbezugs bist du beitragsfrei in der gesetzlichen KV versichert. Privat versichert? Beiträge laufen weiter – frühzeitig prüfen.
    • VWL und Riester-Beiträge prüfen – VWL pausiert in der Elternzeit (AG zahlt nicht mehr), du kannst sie selbst weiterentrichtten. Riester: Mindesteigenbeitrag neu berechnen – bei weniger Einkommen sinkt er. Minimum: 60 €/Jahr.
    • ETF-Sparplan anpassen (nicht stoppen!) – Lieber Rate reduzieren (z.B. von 100 € auf 25 €) als komplett pausieren. Selbst 10 €/Monat sind besser als 0 €.

    1–4 Wochen vorher:

    • Unterlagen für Elterngeld-Antrag vorbereiten – Gehaltsabrechnungen der letzten 12 Monate, Bescheinigung des Arbeitgebers, Steuerbescheid. Alles vorher in einem Ordner sammeln – nach der Geburt hast du andere Prioritäten.
    • Freistellungsauftrag prüfen – Ab 2026: 1.000 € Sparerpauschbetrag (Einzelperson) / 2.000 € (Ehepaare). In der Elternzeit mit weniger Einkommen kann es sich lohnen, den Auftrag anzupassen.

    Der wichtigste Tipp VOR der Elternzeit: Schau dir dein Elterngeld-Netto genau an und rechne dein neues Monatsbudget durch. Die meisten Familien überschätzen, wie weit das Elterngeld reicht. Besser: Einmal realistisch rechnen und dann den Puffer gezielt aufbauen.

    Phase 2: WÄHREND der Elternzeit – Geld klug einteilen

    Phase 2

    WÄHREND der Elternzeit

    • Elterngeld-Antrag sofort nach Geburt einreichen – Das Elterngeld wird maximal 3 Monate rückwirkend gezahlt. Je schneller du den Antrag einreichst, desto schneller fließt Geld.
    • Kindergeld beantragen (259 €/Monat) – Antrag bei der Familienkasse der Bundesagentur für Arbeit. Wird rückwirkend bis zu 6 Monate gezahlt.
    • Monatliches Budget erstellen – Einnahmen vs. Ausgaben realistisch durchrechnen (siehe Beispiel unten).

    Beispiel-Budget Elternzeit (Alleinerziehend, 1 Kind)

    Einnahmen

    Basiselterngeld1.495 €
    Kindergeld259 €
    Summe1.754 €

    Ausgaben

    Miete + NK750 €
    Versicherungen120 €
    Lebensmittel350 €
    Mobilität80 €
    Baby-Kosten150 €
    Handy/Internet30 €
    Puffer/Sonstiges100 €
    Summe1.580 €

    → Bleibt: ca. 174 €/Monat. Eng, aber machbar – wenn der Puffer VOR der Elternzeit steht.

    • Versicherungen überprüfen – Haftpflicht: Kind automatisch mitversichert (bei Familientarif). Falls du eine Einzelpolice hast: jetzt auf Familientarif umstellen. Deine Berufsunfähigkeitsversicherung: Während Elternzeit weiterhin DRINGEND behalten. Prüfe auch, ob deine bAV-Beiträge in der Elternzeit weiterlaufen oder pausieren.
    • Zuzahlungen und Zuschüsse prüfen – Wohngeld (Einkommensgrenze sinkt in Elternzeit), Kinderzuschlag (bis 297 €/Monat für Geringverdiener), Bildungs- und Teilhabepaket, Erstausstattung vom Jobcenter.
    • Teilzeit prüfen – ElterngeldPlus nutzen – Als Erzieherin hast du gute Chancen auf Teilzeit. Mit ElterngeldPlus + Teilzeit (z.B. 20h/Woche) erzielst du oft ein höheres Gesamteinkommen als mit Basiselterngeld allein.

    Sonderfall Alleinerziehende: Du bekommst die vollen 14 Monate Basiselterngeld alleine (statt 12+2). Außerdem gilt der steuerliche Entlastungsbetrag für Alleinerziehende (4.260 €/Jahr, 2026). Prüfe auch, ob du Anspruch auf Unterhaltsvorschuss hast (227 €/Monat für 0–5 Jahre, 299 €/Monat für 6–11 Jahre, 394 €/Monat für 12–17 Jahre — Anspruch besteht bis 17).

    Phase 3: NACH der Elternzeit – Wiedereinstieg clever gestalten

    Phase 3

    NACH der Elternzeit

    • Rückkehrgespräch mit Arbeitgeber führen – Du hast einen gesetzlichen Anspruch auf Rückkehr an deinen Arbeitsplatz (oder einen gleichwertigen). Kläre: Stundenanzahl, Gruppe, flexible Arbeitszeiten?
    • Steuerklasse zurückwechseln (falls geändert) – In vielen Fällen lohnt sich Steuerklasse 4/4 für Paare langfristig am besten (mit Faktorverfahren).
    • VWL beim Arbeitgeber neu beantragen – Laufen nicht automatisch wieder an. Im TVöD SuE: 6,65 €/Monat vom Arbeitgeber.
    • Riester-Beitrag anpassen – Mindesteigenbeitrag neu berechnen: 4% des neuen Jahresbruttos minus Zulagen. Bei weniger Einkommen sinkt der Beitrag – die Zulagen bleiben gleich hoch.
    • ETF-Sparplan wieder hochfahren – Rate wieder auf das Niveau vor der Elternzeit anheben – oder sogar erhöhen, wenn durch Kindergeld und Kinderfreibetrag mehr Netto bleibt.
    • Steuererklärung machen – gerade JETZT! – Das Elternzeitjahr ist steuerlich oft sehr lukrativ. Werbungskosten, Sonderausgaben und Freibeträge drücken die Steuerlast. In vielen Fällen kommt eine Erstattung heraus. Nicht verschenken!
    • Kita-Kosten als Sonderausgaben absetzen – Kinderbetreuungskosten sind zu 80 % absetzbar, max. 4.800 € pro Kind und Jahr (seit 2025). Kita-Gebühren, Tagesmutter, Au-pair – alles relevant.
    • Kinderfreibetrag prüfen – Das Finanzamt macht eine automatische Günstigerprüfung: Kindergeld vs. Kinderfreibetrag (9.756 € für Ehepaare, 2026). Bei höherem Einkommen kann der Freibetrag vorteilhafter sein.

    Der teuerste Fehler nach der Elternzeit: Einfach „weitermachen wie vorher“ ohne die Finanzen neu zu ordnen. Dein Einkommen hat sich verändert, deine Ausgaben auch. 30 Minuten Finanz-Check lohnen sich – garantiert.

    Bonus: Elternzeit als Rentenlücke – und was du dagegen tun kannst

    Das wird gerne verschwiegen: Elternzeit verursacht eine Rentenlücke. Für die ersten 3 Lebensjahre deines Kindes bekommst du Kindererziehungszeiten in der Rentenversicherung angerechnet – aktuell ca. 1 Rentenpunkt pro Jahr (Wert 2026: ca. 40,79 € bis 30.06.2026; ab 01.07.2026: 42,52 €/Monat).

    3 Jahre Kindererziehungszeit = ca. 3 Rentenpunkte = ca. 122 €/Monat Rente (ab Juli 2026: ca. 128 €)

    3 Jahre Vollzeit-Arbeit (TVöD S8a) = ca. 2,7 Rentenpunkte = ca. 110 €/Monat Rente

    → Kindererziehungszeit ist sogar leicht BESSER als Vollzeitarbeit – aber nur für 3 Jahre.

    Das Problem: Ab dem 4. Lebensjahr gibt es nur noch Berücksichtigungszeiten (kein zusätzlicher Rentenpunkt). Wer 2–3 Jahre in Teilzeit zurückkehrt, baut weniger Rente auf als vorher.

    3 Gegenmaßnahmen:

    • ETF-Sparplan durchgängig weiterlaufen lassen (auch mit reduzierter Rate)
    • Riester-Zulagen konsequent mitnehmen (besonders mit Kinderzulage 300 €/Kind)
    • Nach der Elternzeit: Arbeitsstunden möglichst bald wieder erhöhen – jede Stunde zählt für die Rente

    Die komplette Checkliste zum Ausdrucken

    VOR der Elternzeit

    • Steuerklasse prüfen/wechseln (7+ Monate vorher)
    • Notgroschen aufstocken (3 Monatsgehälter)
    • Fixkosten optimieren (Abos, Verträge)
    • Elterngeld-Variante planen
    • Krankenversicherung klären
    • VWL-Weiterzahlung prüfen
    • Riester-Beitrag neu berechnen
    • ETF-Sparplan reduzieren (nicht stoppen)
    • Unterlagen für Elterngeld-Antrag sammeln
    • Freistellungsauftrag prüfen

    WÄHREND der Elternzeit

    • Elterngeld-Antrag sofort einreichen
    • Kindergeld beantragen (259 €/Monat)
    • Monatsbudget erstellen
    • Versicherungen auf Familientarif umstellen
    • Wohngeld / Kinderzuschlag prüfen
    • Teilzeit + ElterngeldPlus durchrechnen
    • BU-Versicherung NICHT kündigen

    NACH der Elternzeit

    • Rückkehrgespräch führen
    • Steuerklasse ggf. zurückwechseln
    • VWL neu beantragen
    • Riester-Beitrag anpassen
    • ETF-Sparplan hochfahren
    • Steuererklärung machen
    • Kita-Kosten absetzen (80 %, max. 4.800 €/Kind)
    • Kinderfreibetrag prüfen lassen

    Fazit: Gut geplant ist halb gespart

    Elternzeit muss kein finanzielles Abenteuer sein – wenn du dich vorbereitest. Die meisten Erzieherinnen können sich die Elternzeit leisten, sie müssen nur VORHER wissen, was auf sie zukommt. Mit dem kostenlosen Zuschuss-Check siehst du in 2 Minuten, welche Förderungen dir individuell zustehen.

    • Steuerklassenwechsel rechtzeitig prüfen – das allein kann dein Elterngeld um mehrere hundert Euro pro Monat erhöhen
    • Puffer aufbauen und Fixkosten senken – 3 Monatsgehälter auf dem Tagesgeldkonto geben Sicherheit
    • Nach der Elternzeit: Steuererklärung machen, VWL neu beantragen, Sparplan hochfahren – 30 Minuten, die sich mehrfach auszahlen

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    Häufige Fragen

    Wie viel Elterngeld bekomme ich als Erzieherin?

    Soll ich Basiselterngeld oder ElterngeldPlus wählen?

    Welche Steuerklasse ist die beste vor der Elternzeit?

    Was passiert mit meiner Rente während der Elternzeit?

    Soll ich meinen ETF-Sparplan in der Elternzeit stoppen?

    Vor & nach der Elternzeit: welche Förderungen du nutzt

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