Wie viel Geld bekomme ich in der Elternzeit?
Bevor wir in die Checkliste einsteigen, der wichtigste Überblick – denn die Frage „Kann ich mir die Elternzeit leisten?“ hängt direkt davon ab, was du bekommst:
Basiselterngeld
- 65–67% deines Nettoeinkommens
- Minimum 300 €, Maximum 1.800 €/Monat
- Bis zu 12 Monate (+ 2 Partnermonate)
Ideal wenn: Du komplett pausierst
ElterngeldPlus
- Halb so hoch, doppelt so lang
- 150–900 €/Monat, bis zu 28 Monate
- Kombinierbar mit Teilzeit (max. 32h/Woche)
Ideal wenn: Du früh in Teilzeit zurückkehrst
Partnerschaftsbonus
- Zusätzlich 2–4 Monate ElterngeldPlus
- Beide arbeiten 24–32h/Woche Teilzeit
- 150–900 €/Monat extra
Ideal wenn: Ihr euch die Betreuung teilt
Rechenbeispiel: Erzieherin, TVöD S8a Stufe 3, ca. 3.500 € brutto / 2.300 € netto
| Variante | Monatlich | Dauer | Gesamt |
|---|---|---|---|
| Basiselterngeld (65%) | ca. 1.495 € | 12 Monate | ca. 17.940 € |
| ElterngeldPlus (ohne Teilzeit) | ca. 748 € | 24 Monate | ca. 17.940 € |
| ElterngeldPlus + Teilzeit (20h) | ca. 748 € + ~1.100 € Teilzeit | 24 Monate | ca. 44.350 € |
→ Teilzeit + ElterngeldPlus bringt deutlich mehr Familieneinkommen. Die Gesamtsumme bei Basis und Plus (ohne Teilzeit) ist gleich.
Eigene Werte? Du kannst dein Brutto für deine Stufe live durchrechnen — die Basis für die 65-67 %-Elterngeld-Formel.
Wichtig für 2026: Seit April 2024 dürfen beide Eltern nur noch EINEN Monat lang gleichzeitig Basiselterngeld beziehen (Ausnahmen: Frühgeburten, Mehrlinge, Kinder mit Behinderung). Die Einkommensgrenze liegt bei 175.000 € zu versteuerndem Jahreseinkommen – für Erzieherinnen in der Regel kein Thema.
Wie viel Geld steht dir zu?
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Phase 1: VOR der Elternzeit – die wichtigsten To-dos
Phase 1
VOR der Elternzeit
Bevor es losgeht, solltest du wissen, welche Förderungen dir als Erzieher:in generell zustehen – ungebunden von der Elternzeit. Einen Überblick findest du in unserem Ratgeber zu allen Förderungen und Zuschüssen, die dir als Erzieher:in zustehen.
6–9 Monate vor dem Geburtstermin:
- Steuerklasse prüfen und ggf. wechseln – Das Elterngeld berechnet sich nach deinem Netto der letzten 12 Monate. Wenn du in Steuerklasse 5 bist, wechsle rechtzeitig auf Klasse 3 oder 4. Der Wechsel muss mindestens 7 Monate vor Beginn des Mutterschutzes erfolgen.
- Finanzpuffer aufbauen (Notgroschen aufstocken) – Faustregel: 3 Monatsgehälter netto auf dem Tagesgeldkonto. Bei 2.300 € netto also ca. 6.900 €.
- Fixkosten durchgehen und optimieren – Strom, Gas, Versicherungen, Handy, Streaming-Abos. Oft lassen sich 50–100 €/Monat einsparen = 600–1.200 € über 12 Monate Elternzeit.
- Arbeitgeber über Schwangerschaft informieren – Mutterschutz beginnt 6 Wochen vor Geburtstermin. Elternzeit muss 7 Wochen vorher schriftlich angemeldet werden.
3–6 Monate vorher:
- Elterngeld-Variante planen – Basis, Plus oder Kombi? Nutze den offiziellen Elterngeldrechner auf familienportal.de. Denke auch an den Partnerschaftsbonus (4 Extra-Monate, wenn beide in Teilzeit).
- Krankenversicherung klären – Während des Elterngeldbezugs bist du beitragsfrei in der gesetzlichen KV versichert. Privat versichert? Beiträge laufen weiter – frühzeitig prüfen.
- VWL und Riester-Beiträge prüfen – VWL pausiert in der Elternzeit (AG zahlt nicht mehr), du kannst sie selbst weiterentrichtten. Riester: Mindesteigenbeitrag neu berechnen – bei weniger Einkommen sinkt er. Minimum: 60 €/Jahr.
- ETF-Sparplan anpassen (nicht stoppen!) – Lieber Rate reduzieren (z.B. von 100 € auf 25 €) als komplett pausieren. Selbst 10 €/Monat sind besser als 0 €.
1–4 Wochen vorher:
- Unterlagen für Elterngeld-Antrag vorbereiten – Gehaltsabrechnungen der letzten 12 Monate, Bescheinigung des Arbeitgebers, Steuerbescheid. Alles vorher in einem Ordner sammeln – nach der Geburt hast du andere Prioritäten.
- Freistellungsauftrag prüfen – Ab 2026: 1.000 € Sparerpauschbetrag (Einzelperson) / 2.000 € (Ehepaare). In der Elternzeit mit weniger Einkommen kann es sich lohnen, den Auftrag anzupassen.
Der wichtigste Tipp VOR der Elternzeit: Schau dir dein Elterngeld-Netto genau an und rechne dein neues Monatsbudget durch. Die meisten Familien überschätzen, wie weit das Elterngeld reicht. Besser: Einmal realistisch rechnen und dann den Puffer gezielt aufbauen.
Phase 2: WÄHREND der Elternzeit – Geld klug einteilen
Phase 2
WÄHREND der Elternzeit
- Elterngeld-Antrag sofort nach Geburt einreichen – Das Elterngeld wird maximal 3 Monate rückwirkend gezahlt. Je schneller du den Antrag einreichst, desto schneller fließt Geld.
- Kindergeld beantragen (259 €/Monat) – Antrag bei der Familienkasse der Bundesagentur für Arbeit. Wird rückwirkend bis zu 6 Monate gezahlt.
- Monatliches Budget erstellen – Einnahmen vs. Ausgaben realistisch durchrechnen (siehe Beispiel unten).
Beispiel-Budget Elternzeit (Alleinerziehend, 1 Kind)
Einnahmen
Ausgaben
→ Bleibt: ca. 174 €/Monat. Eng, aber machbar – wenn der Puffer VOR der Elternzeit steht.
- Versicherungen überprüfen – Haftpflicht: Kind automatisch mitversichert (bei Familientarif). Falls du eine Einzelpolice hast: jetzt auf Familientarif umstellen. Deine Berufsunfähigkeitsversicherung: Während Elternzeit weiterhin DRINGEND behalten. Prüfe auch, ob deine bAV-Beiträge in der Elternzeit weiterlaufen oder pausieren.
- Zuzahlungen und Zuschüsse prüfen – Wohngeld (Einkommensgrenze sinkt in Elternzeit), Kinderzuschlag (bis 297 €/Monat für Geringverdiener), Bildungs- und Teilhabepaket, Erstausstattung vom Jobcenter.
- Teilzeit prüfen – ElterngeldPlus nutzen – Als Erzieherin hast du gute Chancen auf Teilzeit. Mit ElterngeldPlus + Teilzeit (z.B. 20h/Woche) erzielst du oft ein höheres Gesamteinkommen als mit Basiselterngeld allein.
Sonderfall Alleinerziehende: Du bekommst die vollen 14 Monate Basiselterngeld alleine (statt 12+2). Außerdem gilt der steuerliche Entlastungsbetrag für Alleinerziehende (4.260 €/Jahr, 2026). Prüfe auch, ob du Anspruch auf Unterhaltsvorschuss hast (227 €/Monat für 0–5 Jahre, 299 €/Monat für 6–11 Jahre, 394 €/Monat für 12–17 Jahre — Anspruch besteht bis 17).
Phase 3: NACH der Elternzeit – Wiedereinstieg clever gestalten
Phase 3
NACH der Elternzeit
- Rückkehrgespräch mit Arbeitgeber führen – Du hast einen gesetzlichen Anspruch auf Rückkehr an deinen Arbeitsplatz (oder einen gleichwertigen). Kläre: Stundenanzahl, Gruppe, flexible Arbeitszeiten?
- Steuerklasse zurückwechseln (falls geändert) – In vielen Fällen lohnt sich Steuerklasse 4/4 für Paare langfristig am besten (mit Faktorverfahren).
- VWL beim Arbeitgeber neu beantragen – Laufen nicht automatisch wieder an. Im TVöD SuE: 6,65 €/Monat vom Arbeitgeber.
- Riester-Beitrag anpassen – Mindesteigenbeitrag neu berechnen: 4% des neuen Jahresbruttos minus Zulagen. Bei weniger Einkommen sinkt der Beitrag – die Zulagen bleiben gleich hoch.
- ETF-Sparplan wieder hochfahren – Rate wieder auf das Niveau vor der Elternzeit anheben – oder sogar erhöhen, wenn durch Kindergeld und Kinderfreibetrag mehr Netto bleibt.
- Steuererklärung machen – gerade JETZT! – Das Elternzeitjahr ist steuerlich oft sehr lukrativ. Werbungskosten, Sonderausgaben und Freibeträge drücken die Steuerlast. In vielen Fällen kommt eine Erstattung heraus. Nicht verschenken!
- Kita-Kosten als Sonderausgaben absetzen – Kinderbetreuungskosten sind zu 80 % absetzbar, max. 4.800 € pro Kind und Jahr (seit 2025). Kita-Gebühren, Tagesmutter, Au-pair – alles relevant.
- Kinderfreibetrag prüfen – Das Finanzamt macht eine automatische Günstigerprüfung: Kindergeld vs. Kinderfreibetrag (9.756 € für Ehepaare, 2026). Bei höherem Einkommen kann der Freibetrag vorteilhafter sein.
Der teuerste Fehler nach der Elternzeit: Einfach „weitermachen wie vorher“ ohne die Finanzen neu zu ordnen. Dein Einkommen hat sich verändert, deine Ausgaben auch. 30 Minuten Finanz-Check lohnen sich – garantiert.
Bonus: Elternzeit als Rentenlücke – und was du dagegen tun kannst
Das wird gerne verschwiegen: Elternzeit verursacht eine Rentenlücke. Für die ersten 3 Lebensjahre deines Kindes bekommst du Kindererziehungszeiten in der Rentenversicherung angerechnet – aktuell ca. 1 Rentenpunkt pro Jahr (Wert 2026: ca. 40,79 € bis 30.06.2026; ab 01.07.2026: 42,52 €/Monat).
3 Jahre Kindererziehungszeit = ca. 3 Rentenpunkte = ca. 122 €/Monat Rente (ab Juli 2026: ca. 128 €)
3 Jahre Vollzeit-Arbeit (TVöD S8a) = ca. 2,7 Rentenpunkte = ca. 110 €/Monat Rente
→ Kindererziehungszeit ist sogar leicht BESSER als Vollzeitarbeit – aber nur für 3 Jahre.
Das Problem: Ab dem 4. Lebensjahr gibt es nur noch Berücksichtigungszeiten (kein zusätzlicher Rentenpunkt). Wer 2–3 Jahre in Teilzeit zurückkehrt, baut weniger Rente auf als vorher.
3 Gegenmaßnahmen:
- ETF-Sparplan durchgängig weiterlaufen lassen (auch mit reduzierter Rate)
- Riester-Zulagen konsequent mitnehmen (besonders mit Kinderzulage 300 €/Kind)
- Nach der Elternzeit: Arbeitsstunden möglichst bald wieder erhöhen – jede Stunde zählt für die Rente
Die komplette Checkliste zum Ausdrucken
VOR der Elternzeit
- Steuerklasse prüfen/wechseln (7+ Monate vorher)
- Notgroschen aufstocken (3 Monatsgehälter)
- Fixkosten optimieren (Abos, Verträge)
- Elterngeld-Variante planen
- Krankenversicherung klären
- VWL-Weiterzahlung prüfen
- Riester-Beitrag neu berechnen
- ETF-Sparplan reduzieren (nicht stoppen)
- Unterlagen für Elterngeld-Antrag sammeln
- Freistellungsauftrag prüfen
WÄHREND der Elternzeit
- Elterngeld-Antrag sofort einreichen
- Kindergeld beantragen (259 €/Monat)
- Monatsbudget erstellen
- Versicherungen auf Familientarif umstellen
- Wohngeld / Kinderzuschlag prüfen
- Teilzeit + ElterngeldPlus durchrechnen
- BU-Versicherung NICHT kündigen
NACH der Elternzeit
- Rückkehrgespräch führen
- Steuerklasse ggf. zurückwechseln
- VWL neu beantragen
- Riester-Beitrag anpassen
- ETF-Sparplan hochfahren
- Steuererklärung machen
- Kita-Kosten absetzen (80 %, max. 4.800 €/Kind)
- Kinderfreibetrag prüfen lassen
Fazit: Gut geplant ist halb gespart
Elternzeit muss kein finanzielles Abenteuer sein – wenn du dich vorbereitest. Die meisten Erzieherinnen können sich die Elternzeit leisten, sie müssen nur VORHER wissen, was auf sie zukommt. Mit dem kostenlosen Zuschuss-Check siehst du in 2 Minuten, welche Förderungen dir individuell zustehen.
- Steuerklassenwechsel rechtzeitig prüfen – das allein kann dein Elterngeld um mehrere hundert Euro pro Monat erhöhen
- Puffer aufbauen und Fixkosten senken – 3 Monatsgehälter auf dem Tagesgeldkonto geben Sicherheit
- Nach der Elternzeit: Steuererklärung machen, VWL neu beantragen, Sparplan hochfahren – 30 Minuten, die sich mehrfach auszahlen
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