Steuern & Netto

    TVöD SuE Eingruppierung und Stufen: Welche Entgeltgruppe und Stufe stehen dir zu?

    Aktualisiert: Juni 202611 Min. Lesezeit

    Zwischen Stufe 1 und Stufe 6 derselben Entgeltgruppe liegen bei einer Erzieherin über 1.100 € brutto im Monat — und zwischen S 8a und S 8b in Stufe 6 noch einmal über 500 €. Trotzdem wissen viele pädagogische Fachkräfte nicht genau, wie ihre Eingruppierung zustande kommt und welche Stufe ihnen zusteht.

    Kevin Klimper – Gründer & Finanzberater
    Autor
    Kevin Klimper
    Gründer & FinanzberaterGeprüft am 10.06.2026

    Auf den Punkt

    Deine Entgeltgruppe im TVöD SuE richtet sich nach deiner tatsächlich ausgeübten Tätigkeit: Kinderpfleger:innen mit staatlicher Anerkennung S 3 (mit schwierigen Tätigkeiten S 4), Erzieher:innen mit staatlicher Anerkennung S 8a (mit besonders schwierigen Tätigkeiten S 8b), Kita-Leitungen je nach Platzzahl S 9 bis S 18. Innerhalb der Gruppe steigst du über 6 Erfahrungsstufen auf — bis Stufe 6 nach insgesamt 15 Jahren. Bei einer Einstellung zählt einschlägige Berufserfahrung: ab 1 Jahr startest du in Stufe 2, ab 3 Jahren in der Regel in Stufe 3. Was das in Euro heißt, zeigt dir der TVöD-SuE-Rechner.

    So funktioniert dein TVöD-SuE-Gehalt: Gruppe × Stufe

    Dein Tabellenentgelt ergibt sich aus zwei Koordinaten: der Entgeltgruppe (S 2 bis S 18 — sie richtet sich nach deiner Tätigkeit) und der Stufe (1 bis 6 — sie richtet sich nach deiner Erfahrung). Wichtig: Die Eingruppierung folgt der sogenannten Tarifautomatik. Es zählt nicht, was im Arbeitsvertrag steht oder welchen Titel du trägst, sondern welche Tätigkeit dir tatsächlich übertragen wurde.

    Ein Beispiel mit den Werten ab 01.05.2026: Eine Erzieherin in S 8a verdient in Stufe 1 3.509 € brutto, in Stufe 6 sind es 4.669 € — plus 130 € SuE-Zulage obendrauf. Dein konkretes Brutto und Netto rechnest du mit dem TVöD-SuE-Rechner aus.

    🧮 Was verdienst du genau?

    Berechne dein Brutto- und Netto-Gehalt mit Entgeltgruppe, Stufe und allen Zulagen.

    Zum TVöD SuE Gehaltsrechner

    Eingruppierung: Welche Entgeltgruppe für welche Tätigkeit?

    Die wichtigsten Fallgruppen aus der Entgeltordnung (VKA) im Überblick:

    EntgeltgruppeTypische Tätigkeit
    S 2Tätigkeit von Kinderpfleger:innen, Sozialassistent:innen oder Heilerziehungspflegehelfer:innen (ohne staatliche Anerkennung)
    S 3Kinderpfleger:innen, Sozialassistent:innen, Heilerziehungspflegehelfer:innen mit staatlicher Anerkennung
    S 4wie S 3 mit schwierigen fachlichen Tätigkeiten — oder: Tätigkeit von Erzieher:innen ohne staatliche Anerkennung
    S 8aErzieher:innen, Heilerziehungspfleger:innen mit staatlicher Anerkennung (die Standard-Gruppe für Erzieher:innen)
    S 8bErzieher:innen mit besonders schwierigen fachlichen Tätigkeiten (Details unten)
    S 9u. a. Erzieher:innen mit fachlich koordinierenden Aufgaben (für mind. 3 Beschäftigte ab S 8b), Heilpädagog:innen, Kita-Leitungen kleiner Einrichtungen, ständige Vertretung der Leitung ab 40 Plätzen
    S 11aständige Vertretung der Leitung von Kitas für Menschen mit Behinderung
    S 11bSozialarbeiter:innen / Sozialpädagog:innen mit staatlicher Anerkennung
    S 12wie S 11b mit schwierigen Tätigkeiten (z. B. Schulsozialarbeit, Suchtberatung)
    S 13–S 18Kita-Leitungen und ständige Vertretungen nach Durchschnittsbelegung (Tabelle im nächsten Abschnitt)

    Hinweis: Entscheidend sind die Fallgruppen und Protokollerklärungen der Entgeltordnung (VKA). Im Zweifel zählt die tatsächlich übertragene Tätigkeit — nicht die Stellenbezeichnung.

    S 8a oder S 8b? Der Unterschied ist vierstellig

    Mit den Tabellenwerten ab 01.05.2026 liegt S 8b in Stufe 3 um 115 €/Monat über S 8a (4.092 € statt 3.977 €) — in Stufe 6 sind es 522 €/Monat (5.191 € statt 4.669 €). Aufs Jahr gerechnet je nach Stufe 1.400 bis über 6.000 € brutto.

    Als „besonders schwierige fachliche Tätigkeiten" gelten laut Protokollerklärung Nr. 6 zum Beispiel:

    • Arbeit in Integrationsgruppen mit mindestens einem Drittel Kinder mit Behinderung
    • Gruppen mit mindestens 15 % Kindern/Jugendlichen mit erhöhtem Förderbedarf
    • Tätigkeit als Facherzieher:in mit abgeschlossener Fort-/Weiterbildung von mindestens 160 Stunden
    • Bestellung zur Kinderschutzfachkraft („insoweit erfahrene Fachkraft" nach § 8a SGB VIII)
    • fachliche Koordination von mindestens 4 Beschäftigten ab Entgeltgruppe S 8a
    • Tätigkeiten in Jugendzentren / Häusern der offenen Tür

    Praxis-Tipp: Erfüllst du eines dieser Merkmale dauerhaft, prüfe deine Eingruppierung — viele Erzieher:innen mit Integrationsgruppen-Erfahrung stehen fälschlich in S 8a.

    Wie viel Geld steht dir zu?

    Die meisten Erzieher:innen lassen über 1.000 €/Jahr an Förderungen liegen. Finde es in 2 Minuten heraus.

    Kostenlos checken →

    ⭐ 4,9/5 · 1.500+ Fachkräfte · 2 Minuten

    Kita-Leitung & Stellvertretung: Eingruppierung nach Platzzahl

    Maßgeblich ist die Durchschnittsbelegung des Vorjahres (vergebene, gleichzeitig belegbare Plätze).

    DurchschnittsbelegungLeitungStändige Vertretung
    unter 40 PlätzeS 9
    ab 40 PlätzeS 13S 9
    ab 70 PlätzeS 15S 13
    ab 100 PlätzeS 16S 15
    ab 130 PlätzeS 17S 16
    ab 180 PlätzeS 18S 17

    Wichtige Schutzregeln aus Protokollerklärung Nr. 9: Eine Unterschreitung bis 7,5 % führt nicht zur Herabgruppierung; bei mehr als 7,5 % erst, wenn die Platzzahl drei Jahre in Folge unterschritten wird. Einrichtungen für Menschen mit Behinderung oder für Kinder/Jugendliche mit wesentlichen Erziehungsschwierigkeiten sind jeweils höher eingruppiert.

    Geld-Beispiel ab 01.05.2026: Eine Leitung mit 75 Plätzen (S 15) verdient in Stufe 4 5.034 € brutto, eine Leitung ab 180 Plätzen erreicht in S 18 Stufe 6 bis zu 6.963 €.

    Die 6 Stufen: Laufzeiten seit Oktober 2024 verkürzt

    Seit dem 01.10.2024 sind die Laufzeiten in den Stufen 2→3 und 3→4 um je ein Jahr verkürzt (SuE-Tarifabschluss 2022) — du erreichst höhere Stufen heute schneller.

    AufstiegWartezeitInsgesamt ab Einstieg
    Stufe 1 → 21 Jahrnach 1 Jahr
    Stufe 2 → 32 Jahre (vorher 3)nach 3 Jahren
    Stufe 3 → 43 Jahre (vorher 4)nach 6 Jahren
    Stufe 4 → 54 Jahrenach 10 Jahren
    Stufe 5 → 65 Jahrenach 15 Jahren

    Was das wert ist, am Beispiel S 8a (Werte ab 01.05.2026): Stufe 1: 3.509 € → Stufe 2: 3.738 € → Stufe 3: 3.977 € → Stufe 4: 4.207 € → Stufe 5: 4.432 € → Stufe 6: 4.669 €.

    Stufenzuordnung bei Einstellung: Hier wird Geld verschenkt

    Bei einer Neueinstellung gilt § 16 TVöD-VKA: Mit mindestens 1 Jahr einschlägiger Berufserfahrung startest du in Stufe 2, mit mindestens 3 Jahren in der Regel in Stufe 3. „Einschlägig" heißt: Die frühere Tätigkeit entspricht der neuen (z. B. Erzieherin in einer anderen Kita). Der Unterschied ist erheblich: S 8a Stufe 1 vs. Stufe 3 sind 468 €/Monat.

    Drei Verhandlungs-Hebel vor der Vertragsunterschrift:

    1. Berufserfahrung lückenlos nachweisen (Arbeitszeugnisse!) — die Stufenzuordnung ist kein Entgegenkommen, sondern Tarifrecht.
    2. Vorweggewährung: Zur Personalgewinnung kann der Arbeitgeber bis zu 2 Stufen zusätzlich vorweg gewähren (§ 16 Abs. 5 TVöD-VKA) — danach fragen kostet nichts, besonders in Regionen mit Fachkräftemangel.
    3. Beim Wechsel innerhalb des öffentlichen Dienstes: prüfen, ob die erreichte Stufe (teilweise) mitgenommen werden kann.

    Zulagen: Was zusätzlich zum Tabellenentgelt kommt

    • SuE-Zulage: 130 €/Monat (S 2–S 11a) bzw. 180 €/Monat (S 11b–S 15) — automatisch
    • Praxisanleitungs-Zulage: 70 €/Monat, wenn du Auszubildende mit mindestens 15 % deiner Arbeitszeit anleitest (S 8a, S 8b, S 9, S 11a)
    • Heimzulage: 100 €/Monat in bestimmten stationären Einrichtungen / Wohngruppen
    • Regenerationstage: 2 zusätzliche Tage pro Jahr

    Plus aktuell: Tariferhöhung +2,8 % seit 01.05.2026

    Falsch eingruppiert oder falsche Stufe? So gehst du vor

    1. Stellenbeschreibung und tatsächliche Tätigkeit abgleichen (Tarifautomatik: maßgeblich ist, was du wirklich machst).
    2. Ansprüche schriftlich beim Arbeitgeber geltend machen — Achtung: § 37 TVöD, Ansprüche verfallen nach 6 Monaten (rückwirkend gibt es maximal 6 Monate).
    3. Personalrat bzw. Gewerkschaft einbinden, bei Leitungsfragen die Durchschnittsbelegung des Vorjahres dokumentieren.
    4. Netto-Effekt einer Korrektur vorab im TVöD-SuE-Rechner durchspielen.

    Häufige Fragen

    Welche Entgeltgruppe bekomme ich als Erzieherin?

    Wann komme ich in Stufe 3?

    Zählt meine Berufserfahrung beim Trägerwechsel?

    Ab wann ist eine Kita-Leitung in S 15?

    Kann ich herabgruppiert werden, wenn die Kinderzahl sinkt?

    Was ist der Unterschied zwischen Eingruppierung und Stufe?

    Mehr Netto aus deinem TVöD-Gehalt holen?

    Richtige Eingruppierung + Förderoptimierung + Steuerplanung = echter Unterschied. Finde heraus, welche Zuschüsse du noch nicht nutzt.

    30 Minuten · Digital · Du entscheidest frei